Bauanleitung

Klapphalterung für das Küchentablet

Ein Tablet hängt an einem Reibscharnier unter dem Hängeschrank. Zum Kochen klappt man es herunter, danach verschwindet es flach unter dem Schrankboden. Keine Bohrung ins Tablet, eine kleine Alu-Platte trägt die Last.

Tablet heruntergeklappt unter dem Hängeschrank, quer, zeigt eine Rezeptliste
Heruntergeklappt: Die Rezept-App ist an, Scharnier und Kabel sind von vorne kaum zu sehen.
Tablet
Galaxy Tab A7 Lite (SM-T220), 366 g
Scharnier
Ganter GN 437, 40 mm, Reibung einstellbar
Am Tablet
nur geklebt, nichts gebohrt
Strom
dauerhaft per USB-C

So funktioniert es

Warum eine Platte

Links: Scharnierflügel direkt aufs Tablet geklebt, beim Klappen wird die Klebung an einer Kante abgeschält. Rechts, so gebaut: Alu-Platte großflächig aufgeklebt, Scharnier an die Platte geschraubt. Vorher: Flügel direkt geklebt Schrankboden Tablet, Rückseite oben hier reißt es: die Kante wird abgeschält Kleine Fläche (ein Flügel). Die ganze Last sitzt an der vorderen Klebekante, bei fest angezogener Stellschraube bis zu etwa 2 N·m bei jedem Klappen. Kleber Gebaut: Platte, Scharnier verschraubt Schrankboden Kraft verteilt auf fast die ganze Rückseite Das Scharnier ist an die Platte geschraubt, die Platte klebt großflächig am Tablet. Alu-Platte VHB-Band Schraube
Das Tablet ist waagrecht gezeichnet, damit die Schichten lesbar sind.
Tablet hochgeklappt, liegt flach unter dem Schrankboden, Display nach unten
Hochgeklappt, von vorne unten.
Tablet hochgeklappt von der Seite: Scharnier zwischen Schrankboden und Tablet, rechts die Kabelschlaufe
Hochgeklappt, von der Seite. Rechts die Kabelschlaufe.

Teile

TeilWofürMenge
Ganter GN 437-ZD-40-40-A-SWReibscharnier, Zinkdruckguss, 40 × 40 mmDrehachse1
Alu-Platte 6061, 2 × 100 × 150 mmWinfox, zugeschnittenTräger auf der Tablet-Rückseite1
3M VHB 5952F19 mm × 3 m, 1,1 mm dickPlatte und Kupplung ans Tablet kleben1 Rolle
Topfmagnet 25 mm mit Loch, mit StahlplättchenBFANGZ, 10er-Pack, selbstklebende PlättchenHält das Tablet hochgeklappt2 Magnete, 1 Plättchen
USB-C-Flachkabel, beidseitig 90°DAOKAI, 75 mm und 150 mm im SetTablet zur Kupplung1 (75 mm)
USB-C-Kupplung, Buchse auf BuchseTolesum, 27,5 × 15 × 8 mm, 2er-PackÜbergang zum Ladekabel1
Ladekabel USB-A auf USB-C, 2 mMOOOV 732060, weißZur Steckdose1
Kegelsenker HSS 10,4 mm, 90°AM-ZerspanungstechnikWerkzeug: Senkung für die Schraubenköpfe1

Aus der Werkstattkiste

Bauen

Vor dem Start: Erst die Platte mit Scharnier fertig verschrauben, dann ans Tablet kleben. Am Tablet selbst wird nicht gebohrt. Das VHB-Band braucht einen Tag, bevor es volle Last trägt.

  1. Platte anzeichnen

    Scharnier bündig an eine lange Kante der Platte legen, mittig. Durch die zwei Bohrungen des Flügels die Lochmitten anzeichnen. Diese Kante kommt später an die lange Tablet-Kante, um die das Tablet klappt.

  2. Bohren und senken

    Mit 3,2 mm durch die Platte bohren. Dann von der Seite, die aufs Tablet kommt, mit dem Kegelsenker senken, bis der Schraubenkopf bündig sitzt.

    Prüfen: Mit dem Fingernagel über die Senkung fahren. Nichts darf hängen bleiben, sonst drückt der Kopf aufs Tablet.

  3. Scharnier an die Platte schrauben

    Senkkopfschrauben M3 von der Tablet-Seite durch Platte und Flügel stecken, oben Scheibe und Mutter. Fest anziehen: Die M3 hat in der Bohrung des Flügels Spiel, nur die Klemmung hält.

    Schnitt: Tablet, darüber VHB-Band, darüber 2 mm Alu-Platte mit versenkter Senkkopfschraube, darüber Scharnierflügel, oben kleine Scheibe und Mutter. Tablet-Rückseite Mutter + kleine Scheibe Scharnierflügel Alu-Platte 2 mm VHB-Band Senkkopf bündig versenkt, nichts drückt aufs Tablet
    Die Schraube kommt von der Plattenunterseite, die Mutter sitzt oben auf dem Flügel. Die Platte hat kein Gewinde: Mutter, Flügel, Platte und Schraubenkopf werden zusammengepresst.

    Warum M3: Das Blech muss mindestens so dick sein, wie der Schraubenkopf hoch ist. Ein M3-Senkkopf (1,7 mm) passt in 2 mm, M5 (2,8 mm) bräuchte 3 mm. Sonst läuft die Senkung durch und lässt nur eine Messerkante. Die Last ist klein: etwa 0,22 N·m zum Halten, höchstens etwa 2 N·m Reibung auf zwei Schrauben.

  4. Platte aufs Tablet kleben

    Tablet-Rückseite und Platte mit Isopropanol entfetten. VHB-Streifen nebeneinander auf die Platte, fast vollflächig. Platte bündig an die Klappkante setzen, mittig zur langen Seite, unter dem Scharnier. Fest andrücken.

    Warten: laut 3M 50 % Haftung nach 20 Minuten, 90 % nach 24 Stunden. Erst am nächsten Tag montieren.

    Rückseite des Tablets: Alu-Platte bündig an der Klappkante, Scharnier mit zwei Schrauben im Schrankboden, rundes Stahlplättchen auf der Platte, Topfmagnet im Schrankboden, Kabel an der kurzen Seite
    Fertig montiert, Rückseite: Platte, Scharnier, Stahlplättchen, Magnet und Kabel.
  5. Stahlplättchen aufkleben

    Das selbstklebende Plättchen aus dem Magnet-Set auf die Platte kleben, nahe der Ecke gegenüber dem Scharnier. Dort hat der Magnet den längsten Hebel.

  6. Kabel am Tablet

    Das 75-mm-Flachkabel in die USB-C-Buchse stecken und flach zur Rückseite umlegen. Die Kupplung mit VHB im Streifen neben der Platte festkleben und das Flachkabel einstecken. Das Ladekabel kommt in die Kupplung. So wirkt kein Zug auf die Buchse des Tablets.

  7. Scharnier an den Schrank schrauben

    Tablet hochgeklappt unter den Schrank halten und ausrichten. Den freien Flügel nahe der Vorderkante an den Schrankboden halten, vorbohren und mit zwei Holzschrauben festschrauben.

    Hinweis: In den Schrank zu schrauben wird nicht empfohlen. Besser Scharnier und Magnete an den Schrankboden kleben. Ich habe trotzdem geschraubt.

  8. Magnet setzen

    Zwei Topfmagnete aufeinander stapeln und mit einer Holzschraube in den Schrankboden schrauben, genau über dem Stahlplättchen. Der Stapel gleicht die Höhe des Scharniers aus, so liegt das Tablet hochgeklappt gerade an.

    Prüfen: Hochklappen. Das Plättchen rastet am Magnet ein und das Tablet bleibt oben.

    Schrankboden von unten: gestapelte Topfmagnete, Scharnier an der Vorderkante, Tablet hängt senkrecht, weißes Kabel an der Scharnierkante
    Von unten: Magnetstapel im Schrankboden, Scharnier an der Vorderkante.
  9. Ladekabel verlegen

    Das Ladekabel in einer kurzen Schlaufe über die Achse führen, dann unter dem Schrank entlang zur Wand. Mit Möbelfolie im Dekor des Schranks überkleben, so ist es kaum zu sehen. Am Ende das USB-A-Netzteil.

    Prüfen: Hochgeklappt liegt das Kabel neben dem Tablet, nicht darunter.

  10. Reibung einstellen

    Die Stellschraube am Scharnier (Innensechskant 2,5 mm) weit lösen, dann in kleinen Schritten anziehen, bis das Tablet jede Stellung hält. Höchstens 0,5 N·m.

    Prüfen: Das Tablet bleibt, wo man es hinstellt, und lässt sich mit leichtem Druck bewegen. Sinkt es ab: etwas fester. Geht es schwer: etwas lösen.

Kabelführung

Gebaut: Flachkabel und Kupplung fest am Tablet, das Ladekabel in einer kurzen Schlaufe über die Achse und dann unter dem Schrankboden zur Wand, mit Möbelfolie im Schrankdekor abgedeckt. Keine Holzarbeit, keine zusätzlichen Schrauben. So verlegt wie im Schritt „Ladekabel verlegen“.

Alternative: Kabelkanal statt Folie

Gleicher Weg, aber ein schmaler Kabelkanal in Schrankfarbe statt der Folie. Nicht gebaut, die Zeichnung ist ein Plan.

Seitenansicht Variante 2: Kupplung auf der Tablet-Rückseite, flaches Ladekabel in kurzer Schlaufe über die Achse, dann im Kabelkanal an der Schrankunterseite neben dem Tablet zur Wand und im Wandkanal zum USB-A-Netzteil. im Schrank: bleibt unberührt Schrankboden Wand, Kanal in der Ecke USB-A-Netzteil an der Steckdose kurze Schlaufe über die Achse Spalt ≥ Dicke Kupplung + 1 mm eingeklappt liegt die Kupplung hier Kupplung: Adapter + Stecker fest auf der Rückseite Kabelkanal neben dem Tablet bis zur Wand, in Schrankfarbe
Ausgeklappt durchgezogen, eingeklappt gestrichelt. Der Kanal liegt seitlich neben dem eingeklappten Tablet, nicht darüber.

Getestet

Die App: Display aus beim Hochklappen

Das Tablet läuft als Kiosk mit einer eigenen Android-App. Sie ist der Startbildschirm und zeigt die Rezepte aus einer selbst gehosteten Mealie-Instanz. Der Code ist nicht veröffentlicht, darum hier die Funktionsweise zum Nachbauen.

Lage erkennen. Ein Vordergrund-Dienst liest den Beschleunigungssensor, auch bei ausgeschaltetem Display. Ein Partial Wake Lock hält dafür die CPU wach. Aus dem Schwerevektor rechnet er den Winkel zwischen Display und Boden aus: 0° heißt flach mit dem Display nach unten, 90° heißt senkrecht.

Mit Hysterese schalten. Ab 50° gilt das Tablet als heruntergeklappt, unter 40° als hochgeklappt. Der Winkel muss 400 ms stabil sein. So schaltet nichts beim Antippen oder beim Durchschwingen.

Ausschalten. Hochgeklappt ruft die App DevicePolicyManager.lockNow() auf. Dafür ist sie Geräteadministrator, aber nur mit dem Recht force-lock.

Einschalten. Heruntergeklappt holt ein kurzer Wake Lock (FULL_WAKE_LOCK mit ACQUIRE_CAUSES_WAKEUP, 3 s) das Display zurück. Danach startet die App ihre Activity neu. Die Activity darf über dem Sperrbildschirm liegen (setShowWhenLocked) und hält das Display an, solange sie sichtbar ist.

Falle: Die Activity darf nicht zusätzlich setTurnScreenOn(true) setzen. Jeder Neustart der Activity schärft dieses Flag neu. Beim nächsten lockNow() erscheint der Sperrbildschirm, die Activity wird darüber wieder sichtbar und schaltet das Display nach 14 ms wieder ein. Gemessen auf diesem Tablet.

Einrichtung per adb

adb shell cmd role add-role-holder android.app.role.HOME <paket> 0
adb shell dpm set-active-admin <paket>/.LockAdmin
adb shell settings put global stay_on_while_plugged_in 0
adb shell dumpsys deviceidle whitelist +<paket>
adb shell pm grant <paket> android.permission.POST_NOTIFICATIONS
adb shell appops set <paket> SYSTEM_ALERT_WINDOW allow
Startbildschirm
Die App startet nach jedem Neustart selbst und bringt den Sensor-Dienst mit.
Geräteadmin
Nötig für lockNow(). Ohne ihn bleibt das Display einfach an.
stay_on_while_plugged_in
Muss 0 sein. Sonst hält das dauerhaft steckende Ladekabel das Display an.
Akku-Ausnahme
Damit Android den Dienst nicht schlafen legt.
Benachrichtigungen
Samsung bricht das Aufwecken ab, wenn die App keine Benachrichtigungen senden darf.
Overlay-Recht
Ohne es blockiert Android den Activity-Start aus dem Dienst. Das Display leuchtet dann 3 s und geht wieder aus.

Dauerstrom ist unkritisch, weil Samsungs Akkuschutz das Laden bei 80 % stoppt.

Technischer Anhang

Rückseite des Tablets, hochgeklappt, von oben durch den Schrankboden gesehen, Maßstab 2 Pixel pro Millimeter. Nummern siehe Liste unter der Zeichnung. 212,5 mm zur Wand 124,7 mm Achse an der Schrankvorderkante (oben), Wand unten 1 2 3 4 5 6 7
Hochgeklappt, von oben durch den Schrankboden gesehen. Lage von Plättchen und Kupplung nach Foto, nicht gemessen.
  1. Scharnier GN 437, 40 mm, mittig an der Klappkante. Lochabstand 25 mm.
  2. Alu-Platte 100 × 150 × 2 mm, bündig an der Klappkante, mittig.
  3. Stahlplättchen für den Magnetstapel.
  4. Flachkabel 75 mm aus der USB-C-Buchse.
  5. USB-C-Kupplung, mit VHB geklebt.
  6. Ladekabel 2 m, Schlaufe über die Achse.
  7. Kamera bleibt frei.
Haltemoment
etwa 0,22 N·m (366 g, Schwerpunkt etwa 62 mm von der Achse), gerechnet
Scharnierreibung
bis etwa 2 N·m, also reichlich Reserve. Darum fein einstellen.
Warum bündig
Die Scharnierbohrungen liegen 12,5 mm von der Achse. Bündig an der Kante liegen sie etwa 11 mm tief in der Platte, genug Material um die 3,2-mm-Löcher.
Warum M3
Ein M3-Senkkopf ist 1,7 mm hoch und passt in 2 mm Blech. M5 bräuchte 3 mm, sonst bleibt nur eine Messerkante.
Warum eine Platte
Ein direkt aufs Tablet geklebter Flügel würde bei jedem Klappen an seiner Vorderkante abgeschält. Die Platte verteilt die Last auf fast die ganze Rückseite.